Am taktischen Seziertisch: Austria Klagenfurt - GAK1
Neuer Trainer, altes System: In seinem ersten Spiel als Nachfolger von Walter Schoppitsch hielt der neue Klagenfurter Coach Rudi Perz am 4-1-4-1 seines Vorgängers fest; musste aber gezwungenermaßen personell rotieren: Dollinger fiel krank aus, statt ihm ging König ins Zentrum, dafür besetzte Bürgler die Position rechts. Außerdem fehlte Salentinig gesperrt, hier musste Percher auf die Position des Rechtsverteidigers.
Erstaunlich war, wie wenig die Klagenfurter aus der klaren Überzahl im Zentrum machten. Hier stand mit Pucker, König und Sablatnig ein Trio zumeist nur gegen Stefan Nutz, weil sich Michael Hofer hinten eher um Austria-Zentrumsstürmer Pink kümmerte bzw. sich in der Spieleröffnung wieder in die Verteidigung orientierte, um Deutschmann und Snofl auf der rechten Seite ein gefahrloses Aufrücken zu ermöglichen.
Das war eines der größten Mankos bei den Kärntnern: Kulnik und Bürgler fehlte es an der Unterstützung von hinten. Durch die defensiven Außenverteidiger Percher und Tschernuth konnten zwar die gegnerischen Flügel Erel und Pollhammer gut kontrolliert werden, nach vorne brachten sie aber nichts. Zwar ist dieses "Safety First" angesichts der allgemeinen Lage bei den Violetten natürlich verständlich, aber in einem Heimspiel, das gewonnen werden muss, womöglich etwas zu vorsichtig.
Pressing setzt Kärntnern zu
Zusätzlich spielte den Steirern die frühe Führung in die Karten. Nutz schickte Rauter steil, der legte auf Kollmann quer, und schon in Minute 9 war der Ball drin - ein wahnsinnig billiges Gegentor aus Sicht der Hausherren. Die sich gegen den sicher stehenden und vor allem konsequent pressenden GAK nun eminent schwer tat: Das gegnerische Pressing verhinderte einen geregelten Aufbau, König nützte den Platz vor ihm kaum aus und über die Seiten kam zu wenig. Und dann kamen noch individuelle Schnitzer dazu: Völlig unbedrängt schob Kulnik den Ball Erel in den Lauf, der ging ungehindert durch, bediente Rauter, und nach einer halben Stunde stand's 0:2.
Den Klagenfurtern gelang es nicht, aus dem Spiel heraus gefährlich zu werden. Bis zur 42. Minute gab es nur eine einzige herausgespielte Chance, ansonsten blieben nur der eine oder andere Eckball. Ehe es für einmal doch gelang, mit einer schnellen Aktion die vor allem bei den Eckbällen ganz klar verwundbare GAK-Abwehr auszuhebeln, Bürgler schloss zum 1:2-Anschlusstreffer ab.
Zweite Hälfte
Beim Team von Neo-Coach Rudi Perz schoben nach dem Seitenwechsel die beiden Außen im Mittelfeld, namentlich Bürgler und der für Kulnik eingewechselte Orgonyi, weiter nach vorne, sodass die Klagenfurter nun mit einem 4-3-3 auf dem Platz standen. Die Überlegung dahinter war logisch, die Ausführung hatte aber einen ganz entscheidenden Haken: Die Außenverteidiger machten da nicht mit. Sie agierten weiterhin viel zu zögerlich und schalteten sich zumeist nur mit dem Schlagen langer Bälle in die Offensive ein. So waren Orgonyi und Bürgler natürlich vom Nachschub abgeschnitten und hingen in der Luft.
Als die Grazer nach einer Stunde das 3:1 nachlegten, war das Spiel im Grunde entscheiden. Zumal GAK-Trainer Stöger einige Minuten danach Georg Grasser statt Kollmann brachte und somit das Mittelfeld-Zentrum stärkte: Grasser gesellte sich zu Nutz, Rauter war nun alleinige Spitze. So war mit dem numerischen Ausgleich im Zentrum auch die Mitte dicht, nachdem sich die Klagenfurter ihres Flügelspiels ja mehr oder weniger selbst beraubt hatten.
So war auch die folgende Umstellung von Rudi Perz eher kurios: Er brachte mit Mandzic eine neue Spitze, beorderte Orgonyi nach vorne und stellte auf 4-4-2 mit Raute um; Sablatnig als Zehner einsetzend. Somit wurde aus dem, was im Verlauf des Spiels zumeist eine 3-gegen-1-Überzahl (oder zumindest 3-gegen-2) war, eine 2-gegen-3-Unterzahl im Zentrum.
So hatte der GAK auch keinerlei Mühe mehr, das verdiente Resultat von 3:1 sicher über die Zeit zu schaukeln.
Den Spielbericht von dieser Partie inklusive Video und vieler Fotos gibt es HIER!
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Infos zu diesem Artikel
- Autor: Philipp Eitzinger
- Bericht verfasst am: 12.04.2011 um 10:55
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