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Am taktischen Seziertisch: Anif - Austria Salzburg1

Das 0:2 im Heimspiel gegen Austria Salzburg war für Anif ein großer Rückschlag im Kampf um den Aufstieg. Doch trotz zweier Anifer Pfostenschüsse darf man die Austria durchaus als verdienten Sieger bezeichnen - weil die Violetten ihren Plan konsequenter verfolgten als Anif.

Die beiden Grundformationen.

Das Zauberwort heißt Pressing - das vollführte die Austria im gegnerischen Drittel ziemlich konsequent und damit kam Anif überhaupt nicht zurecht. Interessant dabei: Die Violetten spielten ein ziemlich klares 4-2-4, das wohl als eine Abwandlung eines 4-2-3-1 zu sehen ist. Die Außen Märzendorfer und Urbanek standen sehr hoch und pressten so die ohnehin nicht besonders aktiven Anifer Außenverteidiger nach hinten, aus der Zentrale gesellte sich Nicholas Mayer zumeist als hängende Spitze zu Marko Vujic.

Die Folge des Vier-Mann-Pressings: Anif hatte kaum Zeit, zu einer geordneten Spieleröffnung zu kommen. Was auch damit zusammen hing, dass Coach Hofer das Mittelfeld hergab. Das machte Didi Emich zwar auch, aber er kompensierte dies eben durch das hohe Pressing. Anif hingegen fehlte es im 2-gegen-2-Mittelfeld schlicht am Personal, um die (zu) hoch stehenden Außen Friedl (der seine linke Seite oft komplett verwaist ließ) und Stöger (der viele Bälle sehr leicht verlor) zu bedienen. Defensiv wirkten Schrott und Sen zudem mitunter etwas wackelig und von dem Druck, der auf sie ausgeübt wurde, durchaus beeindruckt.

Anif war ebenfalls mit einem 4-2-4 auf dem Platz, das sah allerdings mehr wie eine Variation einem 4-4-2 aus, mit Duhnke als hängender Spitze, das Spiel lief aber eher an ihm vorbei. Im Spielaufbau verzichteten beide Mannschaften auf das unterbesetzte Zentrum und suchten ihr Heil über die Flanken. Das gelang der Austria besser, weil bei den Violetten das Umschalten von Defensive auf Offensive besser und vor allem schneller klappte als bei Anif. Da war es zu verschmerzen, dass für die Außenverteidiger die Mittellinie  wie eine unsichtbare Wand wirkte. Vor allem Hirsch muss man ankreiden, den immer wieder vorhandenen Platz vor ihm (wenn Friedl sich anderswo aufhielt) viel zu wenig genützt zu haben.

Hofer bringt Patrick Mayer

Für die zweite Halbzeit nahm Anif-Trainer Hofer eine Umstellung vor, die durchaus Wirkung zeigte: Mit Patrick Mayer kam ein bulliger Mann für das Sturmzentrum, der auch mal Bälle halten und abschirmen kann. Für ihn blieb Pascal Stöger draußen, Lukas Katnik machte dafür nun den Rechtsaußen. Die körperliche Präsenz von Patrick Mayer hatte zur Folge, dass es Anif nun möglich war, sich längerfristig in der gegnerischen Hälfte aufzuhalten. Zudem schien die Austria nach etwa einer Stunde dem kräfteraubenden Pressing etwas Tribut zollen zu müssen. Die Folge war zweimal Aluminium auf Seiten der Anifer, die nun ihre stärkste Phase hatten und der Führung deutlich näher waren.

Emich brachte wohl auch deshalb mit Dusan Pavlovic und Bernd Winkler zwei frische Spieler für die aggressiv interpretierten vier Offensivpositionen; Federer und Hirsch wichen dafür. Nun spielte Märzendorfer rechts hinten, Winkler rechts vorne, Pavlovic als hängende Spitze und Nicholas Mayer ging zurück ins Mittelfeldzentrum. Eine richtige Maßnahme: Denn mit den frischen Kräften und vor allem der Übersicht des routinierten Winkler ging's wieder besser nach vorne und Vujic markierte eine Viertelstunde vor Schluss das 1:0 für die Austria.

Anifer Brechstange

Die Reaktion von Hofer: Er brachte Sommer für Kocher und ließ somit Manfred Pamminger ganz alleine im Mittelfeld zurück. In einem 4-1-5 tummelten sich nun Katnik und Mayer vorne, Duhnke hängend dahinter, Sommer rechts und Scherz (der für Friedl gekommen war) links auf lange Bälle lauernd. Beinahe logisch, dass zehn Minuten nach der Führung ein von Winkler mustergültig dirigierter Konter mit einem Abstaubertor von Urbanek zum 2:0 abgeschlossen wurde - die Entscheidung.

Fazit: Das Pressing macht's

Konsequentes Pressing in der gegnerischen Hälfte und das ständige und erfolgreiche Streben nach 2-zu-1-Überzahl in Ballnähe bescherte der Austria einen verdienten Sieg. Anif kam durch die richtige Maßnahme in der Halbzeit, Mayer zu bringen, deutlich besser ins Spiel und hätte durchaus die Chancen gehabt, selbst für die Entscheidung zu sorgen, doch letztlich setzte sich der konsequentere Plan der Austria nicht unverdient durch.

Philipp Eitzinger wird auch in Zukunft (in unregelmäßigen Abständen) für regionalliga.at weitere Spiele ganz genau unter die Lupe nehmen. Wer allerdings noch mehr solcher Analysen lesen möche, dem sei dringend die Seite ballverliebt.eu ans Herz gelegt.
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Infos zu diesem Artikel

  • Autor: Philipp Eitzinger
  • Bericht verfasst am: 24.04.2011 um 20:40